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Baden-Baden

Was ist Ashtanga Yoga? 

Patanjali beschreibt im Yoga-Sutra einen Weg, der aus acht Gliedern besteht: 

Ashtanga Yoga – der achtgliedrige Weg des Yoga.
Diese acht Glieder sind keine voneinander getrennten Übungen. Sie sind miteinander verbunden und bauen aufeinander auf. Man kann sie sich wie eine Treppe vorstellen.

Eine Treppe gehen wir nicht, indem wir versuchen, die oberste Stufe zu erreichen. Wir setzen einen Fuß auf die nächste Stufe, finden dort unser Gleichgewicht und gehen dann weiter.
Genauso ist es im Yoga.

Der Weg beginnt mit den Yamas und Niyamas. Sie beschäftigen sich mit unserem Verhalten gegenüber der Welt und mit unserem Umgang mit uns selbst. Sie bilden die ethische und innere Grundlage der Praxis.

Erst auf dieser Grundlage bekommt Asana seine tiefere Bedeutung. Die Körperhaltungen sind nicht einfach eine Sammlung von Übungen, die wir möglichst perfekt ausführen sollen. Durch Asana lernen wir, im Körper präsent zu sein, Stabilität zu entwickeln und gleichzeitig aufmerksam und wach zu bleiben.

Aus dieser Grundlage kann sich Pranayama entwickeln.

Wenn der Körper ruhiger und stabiler wird, können wir beginnen, den Atem bewusster wahrzunehmen und zu führen. Der Atem wird zu einer Brücke zwischen Körper und Geist. Und je bewusster wir mit dem Atem umgehen, desto leichter kann der Geist zur Ruhe kommen.

Dann führt der Weg weiter zu Pratyahara – dem Zurückziehen der Sinne. 

Wir lernen, nicht jedem äußeren Reiz folgen zu müssen. Unsere Aufmerksamkeit beginnt, sich nach innen zu wenden.

Darauf baut Dharana, die Konzentration, auf.
Wir lernen, bei einem Punkt zu bleiben. Nicht nur für einen kurzen Moment, sondern immer wieder. Der Geist darf lernen, nicht ständig weiterzuspringen.

Aus dieser zunehmenden Sammlung kann Dhyana, Meditation, entstehen.

Und schließlich beschreibt Patanjali Samadhi – eine tiefe Versenkung, in der sich die gewöhnliche Erfahrung von „Ich“ und „dem, was ich betrachte“, verändert.

Keine Stufe muss perfekt sein
Doch diese Treppe ist kein Wettbewerb.
Wir müssen nicht zuerst perfekte Yamas und Niyamas erreichen, bevor wir Asana üben dürfen. Wir müssen auch keine perfekten Asanas beherrschen, bevor wir uns mit Pranayama beschäftigen.

Perfektion ist nicht der Maßstab. Bewusstheit ist der Maßstab.
Wir gehen eine Stufe, lernen sie kennen, fallen vielleicht zurück, beginnen wieder und entdecken sie auf einer tieferen Ebene neu.
Denn je höher wir gehen, desto mehr brauchen wir die Stabilität der unteren Stufen.

Wenn die Basis nicht trägt, wird die nächste Stufe unsicher.
Darum ist es wichtig, den Weg nicht zu überspringen. Nicht, weil wir etwas „richtig“ oder „falsch“ machen könnten, sondern weil jede Stufe uns etwas gibt, das wir für die nächste brauchen.

  • Yama und Niyama geben die Richtung.
  • Asana gibt Stabilität.
  • Pranayama verfeinert den Atem und beruhigt den Geist.
  • Pratyahara sammelt die Sinne.
  • Dharana sammelt die Aufmerksamkeit.
  • Dhyana vertieft die Meditation.
  • Samadhi führt in die Versenkung.

So wird Yoga mehr als eine körperliche Praxis.
Die Matte wird zu einem Ort, an dem wir lernen, wie wir gehen.

  • Nicht schneller.
  • Nicht höher.
  • Nicht perfekter.
  • Sondern bewusster.

Und vielleicht besteht genau darin die eigentliche Praxis: 

  • immer wieder den nächsten Schritt zu sehen, ihn mit Aufmerksamkeit zu gehen und darauf zu vertrauen, dass die nächste Stufe auf einer guten Grundlage entstehen darf.
  • Schritt für Schritt.
  • Stufe für Stufe.
  • Atemzug für Atemzug.

Das ist der Weg des Ashtanga nach Patanjali.


 
 
 
 
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